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MILLION DOLLAR BABY

DARWINS ALPTRAUM

beide filme in den letzten tagen gesehen und von beiden umgehauen gewesen.
eastwood wird vielleicht wirklich immer besser, ausser da kommt jetzt ein neues BLOOD WORK dazwischen, ansonsten kann man da nix finden was einem aufstösst.wunderbar inszeniert und gespielt, immer den richtigen ton treffend.verdienterweise die oscars bekommen.
der dokfilm DARWINS ALPTRAUM führt ins unselige gebiet um den viktoriasee, zeigt den weg der monströsen nilbarsche vom fang zur verarbeitung und dann nach der verarbeitung gehts noch einen schritt weiter. die fischgräten werden aufgekauft, ein kipplaster voll kostet 100 euro, die mit maden versetzten reste werden von zombieähnlichen gestalten aus dem matsch geholt und zum trocknen aufgehangen.die arbeiter gehen barfuss durch den dreck, der mit fischresten und den dazugekommenen maden versetzt ist.in grossaufnahme kringeln sie sich zwischen den zehen.fischköpfe werden aufgeschnitten und frittiert.die menschen um den see herum ernähren sich von dem abfall de luxe.
die hoffnung auf einen ausweg oder besserung wurde einem schon früher genommen,die aufnahmen die der regisseur in seiner 4 jahre dauernden arbeit machte stellen sehr früh klar das man dort an einem endpunkt angekommen ist.
der tod von swank ist somit humaner als das leben der meisten dort.
wirklich erschreckend.ansehen.

(die Kultur bewegt sich sinusförmig, und die Midlife crisis, die in der Regel mit dem Zeitpunkt der kulturellen Machtergreifung zusammenfällt, führt zum Dialog mit der eigenen Jugend, daher reimt sich ein Jahrzehnt immer mit dem übernächsten - jedes neue Jahtzehnt unternimmt die "Umgestaltung" des vorletzten Jahrzehnts)


Aus einem lesenwerten Artikel des Filmkritikers und Filmemachers Michail Braschinskij in Der Freund, Nr. 3. Nur offline.

beste, bzw. lustigste drehbuchaenderung die ich bisher gelesen habe :
in bild 119 wird KEINE hand abgetrennt und unter der tuer durchgeschoben !!!

27 Jahre Unfehlbarkeit hinterlassen eben ihre Spuren.

Es ist nicht alles Quatsch, was nervt.

Tröstliches für Sprachpuristen liefert eine Beobachtung von Mr. Sick ("Zwiebelfisch") auf SpOn:

Anglizismen killen mit Vorliebe Romanismen, sie sind also viel bedrohter als deutsche Worte. Nahe liegender Gedanke, darum nicht weniger richtig: Für einiges (vor allem Wortfelder aus dem Bereich "schönes Leben", Kultur, etc.) hatte unser etwas tumbes, aber letztlich schrecklich nettes Volk einfach nie Begrifflichkeiten, und so ersetzen die vielbeklagten Wortimporte oft einfach nur ältere, ohne wirklich und wahrhaftig Deutsches zu tangieren: Humpen bleibt Humpen.

"Als Gott noch in Frankreich lebte, da wusste noch jeder, was Savoir-vivre und Laisser-faire bedeuten. Heute dreht sich alles um Lifestyle, und aus dem Laissez-faire-Prinzip wurde "Take it easy!" Was früher "en vogue" war, ist heute "trendy", und eine Mode, die irgendwann "passé" war, ist heute "out". Wer auf dem Laufenden war, der war mal "à jour", und wenn er einverstanden war, dann war der "d'accord". Heute ist er "up to date" und gibt sein Okay. Und wer im Fahrstuhl jemandem auf die Füße tritt, der sagt nicht mehr "Pardon!", sondern murmelt nur noch "Sorry!"

http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,346379,00.html

Biege ich doch auf meinem Heimweg den Hafen am Wasser entlang kurz in die nächste Querstraße, schweres Rotlichtmillieu, ein, um, jawohl!, kurz dem Straßenlärm für ein mobiles Telefonat zu entkommen.
Mehrere Puffeingänge, ein Thailänder, eine rotte Disco. Ich also am Telefonieren, da bewegt sich im rechten Augenwinkel ein Mann auf mich zu, Modell Dieter Pfaff, aber nah am Wahnsinn, angetan mit einem knöchellangen Pelzmantel, fasst mich am Arm und sagt vertraulich, aber laut:

"Hören Sie auf zu suchen, ich habe die ganze Straße gekauft!".

Auf den ersten Blick eigentlich ganz gut gefunden, mit Potenzial auf alle Fälle. Mit dem Personal nicht komplett einverstanden. Der Kanzler irgendwie zu glatt und jüngelig, und Atzorn einfach aus zu vielen Uniformträger und Staatsdienerrollen so durchgekaut, dass es irgendwie der allgemeine Staatzorn ist, der hier agiert. Das schauspielergewordene Bundesrepublikanische Beamtentum.

Um nun aber dem, was mir eigentlich nicht passt, auf die Spur zu kommen, muss man natürlich wieder mit West Wing vergleichen (und der Vergleich ist legitim, da das Drehbuch ihn durch Anlehnung herausfordert: Der in der ersten Folge abwesende und dann verletzt zurückkehrende Kanzler, die Neue, die von de Polizei aufgehalten wird).

Hier soll ja politische Realität fersehtaugliche Unterhaltung werden.
West Wing wagt etwas Ungewöhnliches: Von Anfang an verfolgen wir eine - zumindest immer in einem Handlungsstrang - im Kern politische Dramaturgie. Eine Dramaturgie, die ihre Spannung aus politischen Abläufe bezieht, die man so ja - gerade als nicht US.Bürger - nicht kennt. Und so nur merkt: Das scheint jetzt spannend zu werden, es aber offen ist, warum. Und so ist man dann tatsächlich auch darauf gespannt.
Daran muss man sich Anfangs gewöhnen, die angelegte Dramatik ist nicht immer gleich offenbar, es verlangt einem oft schon etwas ab, zu verstehen, warum das jetzt spannend ist. Es kann zu Irritationen für den ungewöhnten Zuschauer kommen, und man muss schon, auch durch das Spiel, die Dialoge, erahnen, was einen hier erwartet, um mitzugehen.

Wenn man es aber verstanden hat, dann ist es auch wirklich spannend. Der Gewinn sind fesselnde Geschichten, die man einfach noch nie gesehen hat. Das war für mich eine der Sensationen in West Wing.
Das Politische prägte und verformte die Fernsehdramturgie und erschuf so etwas Neues.

In Kanzleramt wurde dies nicht gewagt (oder auch nicht verstanden). Hier wird die altbekannte Fernsehseriendramaturgie auf das Politische geworfen und macht es zu etwas Banalem, Altbekannten. Die gleichen Stories wie sonst auch in Krimis und Ärzteserien, mit den gleichen Gesichtern und anderen Settings. Der einzige Moment, wo etwas mehr durchschimmerte, war der Auftritt der Fraktionsführerin.

Will man das Serienpublikum nach der herrschenden Verdummungsdoktrin "abholen, wo es ist"? Warum bloss immer! Warum nicht mal mit was Aufregendem die Leute rüberlocken. Aber schon klar: Eine erzählerische Zumutung zuviel, und der Zuschauer, den Atzorn oder Behrendt "mitgebracht" haben (dorthin, wo die Zuschauer abgeholt werden? Wo ist das? Altenheim? Klippschule?) ist weg. Futschikato.

Also müssen wir wohl mit dem zumutbaren Leben. Und das ist etwas wie West Wing im deutschen Fernsehen offensichtlich nicht. Sonst wär es hier ja schon mal gelaufen.

Durch die DVDhek streichend, an Regalen rumlungernd, wurde mir klar, dass hier für die kommenden Abende nichts zu finden sein würde, das auch nur irgendwie besser als Twin Peaks wäre. Und in dem Moment des klar werdens bereits begann ich mich zu freuen. Unbestimmte Vorfreude, denn alles, was ich noch in mir trug, war ein "Twin Peaks-Gefühl", lag die letzte begeisterte Sichtung doch (Herrjeh! aber das ist ein anderes Thema) satte 13? 14? Jahre zurück.
Eingesackt, und am späten Abend eingelegt. Und es war toll. Magisch. Wiedererkennen. Neuentdecken. Anders erleben. Einiges prägnant im Detail erinnert, anderes wie niemals gesehen. Der erste Besuch von Benjamin im One Eyed Jack's. Damals verpasst? Hm. Und natürlich: Zum ersten Mal im Original.
Immer noch faszinierend: Wie die Verbindung von teilweise albernem Humor mit echtem, tief bis zur Verunsicherung gehendem Grusel funktioniert.
A strange world.
So was wird ja heute garnicht mehr gebaut.

 

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