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Der Mann ist groß. Ich liebe ihn. Für mich der amerikanische Wenders: Macht nur noch Quatsch (wenn auch ganz anderen Quatsch), aber ich schaue es mir immer noch an, weil es irgendwie doch immer irgendwas hat, was es sehenswert macht.
Weil ich ihn so mag, empört er mich auch so sehr.

Ich war selten nach einem Film so empört wie nach "White Squall". Diese gottverdammte Scheiße stank zum Himmel. Wie konnte das sein, wieso machte er diesen reaktionären Nonsense?

Nach "Gladiator" wurde es mir klar. Er ist auf der einen Seite genial. Wenn es darum geht, Storys zu erzählen, sie zu bauen, im eigentlichen Sinn. Er ist ein Architekt.

Aber: Er ist ideologisch dumm. Kreuzdumm. Er merkt garnichts. Bei "White Squall" dachte er: "Wow, spannende Geschichte." Und bei "Gladiator" auch nichts anderes. Er dachte: Wieso, der Mann will doch den Senat, also die Demokratie retten. Ist doch super! Dass ein einzelner Held kommen muss, um die greise Demokratie zu retten, die aus eigenen Kräften dazu nicht in der Lage wäre, gibt ihm nicht zu denken. Er inszeniert die falsche Geschichte als das, wofür er sie hält.

Wäre es anders, wäre er ein Hund - und das ist er nicht, dazu war er zu gut.

So wird es auch mit dem "Königreich des Himmels" werden. Er wird selbst den Botschaften der Oberflächenhandlung glauben, wird sie ohne Arg inszenieren, verherrlichen. Wird das, was niemals eine ehrliche Annäherung an die Christen/Moslem-Problematik sein kann, trotzdem so zeigen.

Und das macht wohl auch seinen neuen Erfolg, seine zweite Karriere aus: Dass er unangekränkelt Zynismus als frohe Botschaft inszeniert, dass er selbst nicht nur kein Zyniker ist, sondern den Zynismus nicht sieht. Und dass er damit hundertprozentig auf der Seite des Publikukms steht.

Ein gütiges Schicksal hat ihm vor ein paar Jahrzehnten zwei sensationelle Drehbücher in die Hände gespielt.

Und das heute auf "Vom Regisseur von Gladiator" auf den Plakaten steht, und die meisten ihn mit "Alien" und "Blade Runner" nicht in Verbindung bringen, stört ihn wohl nichtmal. Warum auch.
Deef meinte am 10. Mai, 09:55:
Jedesmal, wenn ich höre "ein neuer Ridley-Scott kommt ins Kino", hoffe ich, dass es ein Film voller Düsternis, Traurigkeit und verklausulierter Fragen nach dem Sinn des Lebens oder dem Bösen in uns ist. Aber Ridley Scott kreiert keine Nachfolger von Rick Deckard oder Ellen Ripley. Statt dessen folgt der Kreuzfahrer dem Gladiator, der Columbus folgt. Was kommt als nächstes? Ich hoffe weiterhin ein bißchen... Ist menschlich. So erspare ich mir den Voigt-Kampff-Test an mir selbst ;-) 
bähr antwortete am 12. Mai, 08:25:
Was für ein Test? 
Deef antwortete am 17. Mai, 07:45:
Voight-Kampff-Test
Damit werden die Replikanten in Blade Runner entlarvt. Siehe z.B. hier. 
bähr antwortete am 17. Mai, 09:22:
Ah, klar, sehr gut! 
Blake Falls meinte am 12. Mai, 18:08:
Ich schätze seinen Bruder Tony ja gerade deshalb sehr viel mehr, weil sich dessen Gesamtwerk um ein so vieles reicher und geschlossener präsentiert. Neben Michael Mann ist Tony Scott DER große Chronist männlicher Einzelgänger-Riten. Ohne Ausnahme alles Meisterwerke was der gute Mann da Jahr für Jahr ausspuckt.

Ridley hingegen hat sich vor allem in den vergangenen zwei Jahrzehnten eben vor allem als klassischer Auftragsregisseur verdingt. Echte Leidenschaft habe ich da eigentlich nur bei BLACK HAWK DOWN spüren können - und zu meiner großen Freude und Überraschung jetzt auch wieder bei KINGDOM OF HEAVEN.

Ich kann nicht für die auf FSK 12 "abgemilderte" dt. Synchronversion reden, aber was hier an Wucht und Tiefe spürbar wurde hat mich 2 1/2 Stunden ausnahmslos gefesselt. 
Svenson antwortete am 13. Mai, 02:49:
Noch vor etwas mehr als 10 Jahren hätte ich mich mit Schaum vor dem Mund gegen eine auch nur Mindestwürdigung von Tony Scott ins Zeug gelegt. Das hat sich grundlegend geändert. Tatsächlich muss ich mittlerweile Auch Tony den größeren Respekt zollen als Ridley. Einzelgängerriten trifft es dabei recht gut. Zwar tue ich mich mit dem Frühwerk nach wie vor schwer (TOP GUN ist auch in der wiederholten Sichtung kaum erträglich, Tarantinos doch interessante Schwulendeutung hin oder her), aktuell aber bin ich auf Tony weitaus gespannter als auf Ridley, und auch ich habe BLACK HAWK DOWN als einsamen Höhepunkt in Ridleys Schaffen der letzten Jahre gesehen. KINGDOM OF HEAVEN steht noch aus.
Ich weiß aber nicht, ob ich jemals wirklich versöhnt werden kann angesichts des Doppeldrecksschleims von WHITE SQUALL und G.I. JANE. 
bähr antwortete am 13. Mai, 10:33:
Guten Tag, wir sammeln Unterschriften für die Aktion "Gute Drehbücher für die Scotts"
Geht mir nicht so. True Romance ist eigentlich die ganz gro0e Ausnahme, die mir einen anderen Scott gezeigt hat, ein Film, den ich nach wie vor liebe. Gutes Drehbuch!!! Und er konnt was damit anfangen.

Aber die Tom-Cruise-Teile? Puh...
The Fan? Übel. Crimson Tide? Ordentlich, konnte mich nicht mitreißen. Enemy of the State? Genrestandard. Man of Fire: Nicht gesehen. Not my cup of tea.

Worauf ich allerdings wirklich gespannt warte: Sein neuer Film, "Domino". Nach einem Drehbuch von Richard Kelly (Donnie Darko). Doch, das kann eigebntlich nur gut werden. 
Blake Falls antwortete am 13. Mai, 20:12:
THE FAN halte ich für unterschätzt. Ok, sicher nicht Tonys bester Film, aber (wie CRIMSON TIDE und TOP GUN) wunderbare schwules Kino. Alleine schon wegen der vielen Messer-Sex-Szenen durchaus sehenswert.

Müsste ich für die kommenden 12 Monate eine Vorfreude-Liste entwerfen, stünde DOMINO bestimmt mit weitem Abstand oben. Das Kelly-Skript soll ja der heißeste Scheiss sein, der je fürs Bewegungskino zu Papier gebracht wurde und Mickey Rourke noch heller brennen als in SIN CITY. Da werde ich auf meinen Knieen ins Kino rutschen. 
 

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