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Irgendwann müssen die Marktingleute der Filmfirmen erkannt haben, dass sich die meisten Menschen für gute Filme nicht interessieren, ihnen ausweichen. Und dann haben sie angefangen, Filme für genau diese Leute zu machen, weil sie so sehr viel mehr Geld verdienen können.

(EInem Gedanken aus dem Buch "Don't believe the Hype" folgend, das nicht wirklich gut ist, aber irgendwie doch. Dazu später mehr.)

Woran liegt es eigentlich, dass ich immer das Gefühl hatte und habe, dass es französische Filmstars gibt, bei uns aber nur berühmte Schauspieler?

Ist es so?

Liegt es daran, dass ich die unseren nicht nur aus dem Kino, sondern auch aus dem Fernsehen kenne. Dass mir jemand, der mir zu oft im Tatort oder in anderen Krimis und Fernsehfilmen begegnet ist, als Filmstar nicht mehr durchgeht?

Liegt es also daran, dass ich kein französisches Fernsehen schaue, und die großen Franzosen also nur als reine Filmschauspieler wahrnehme?

Oder gibt es einfach mehr französische Schauspieler, die wirklich Filschauspieler sind, also im Fernsehen garnicht zu sehen sind, die sich das leisten können?

Wer kann das bei uns? Franka Potente. Daniel Brühl. Wer noch? Hm. Bleibtreu?

Sagt das etwas über den Zustand einer nationalen Filmkultur aus, wieviele solcher Schauspieler, Regisseure es gibt, die wirklich nur Filmschaffende sind?

Oder halt. Liegt es nicht vielmehr an der Inszenierung, daran, jemanden wie einen Star zu filmen?

scorsese-nyny_jpg

...oder Good Fellas spätestens hätte er ihn kriegen sollen.

Aber nicht für die Filme der letzten Jahre. Sagt er selber. Für "Aviator" wäre es doch ohnehin eher ein Lifetime Achievement Award gewesen.
Mein Tipp: 2007 kriegt er für die "Ifernal Affairs"-Neuauflage wieder keinen.
Obwohl ich mich auf einen neuen Scorsese-Mobster-Streifen ehrlich freue.

Berge stürzen zusammen, wenn der böse Herrscher stirbt, und seine Heerschaaren, tausende und abertausende von Orks, Bergtrolle und was die Hölle hergibt, werden im selben Moment des Sieges des Guten vom Erdboden verschluckt, getilgt, verschwinden einfach. Schön für die Sieger: müssten sie doch sonst diese recht unansehnlichen und charakterschwachen Mitbürger mühselig entsauronisieren und in die Gesellschaft wiedereingliedern. Gestern noch brüllender blutsaufender Kampfork, heute verkauft er, als Mitläufer entlassen, Faramir an der Ladentheke einen leckeren Königskringel. Nein, da ist es natürlich besser, die ganze Brut verschwindet mit einem Mal. So schön einfach dann der Sieg und das, was nach ihm kommt.
Ich befürchte, ähnlich einfach hat sich George W. Bush den Sieg über Saddam und sein Regime vorgestellt: Ist der miese Diktator erstmal entfernt, ist auch das ganze Land automatisch vom Bösen befreit.

Das Phänomen ist ja bekannt: Während der Weltmarktanteil von Macintosh-Rechnern irgendwo bei drei Prozent liegt, liegt der Anteil ihres Auftretens in Kinofilmen und Fernsehserien weit darüber - eigentlich hat jeder "good guy", jede sympathische Hauptfigur einen auf seinem Schreibtisch stehen. Macs signalisieren im Film Offenheit, gehobenen Lifestyle, Spontanität, Kreativität. Fieslinge arbeiten mit Windows. Wenn das die Welt wirklich beschriebe, wäre Apple glücklich. Man kann davon sicher auf die allgemeine Genauigkeit rückschließen, mit der Hollywood die Außennwelt abbildet. Es geht um Symbole, nicht um Mimesis. Gleiches gilt, so beobachte ich in letzter Zeit, für Autos der Marke Volvo. Unglaublich viele alte eckige Volvos durch Serien und Filme rollen. Gefahren werden sie von netten, gebildeten, liberalen Sympathieträgern der Elterngeneration. Meist wohnen sie im Nordosten der Staaten, oder in Kalifornien. Volvo symbolisiert "alte" progressive Werte, die im Bush-Amerika weniger werden. Updike. Ford. Irving. Auch Volvo wäre glücklich, wenn das wahr wäre. Immerhin hat es die Marke damit zu einem absolut positiven Merkmal in der US-Medienwelt gebracht - besseres Marketing lässt sich nicht denken.
Sie sollten daraus lernen und ihre Autos wieder eckiger machen.

Was man in den frühen Filmem, vor allem in deutschen, noch spüren kann, ist das Grauen. Nicht das Grauen vor etwas Äußerem, einem wie auch immer unheimlichen Angreifer. Nein, das Grauen vor sich selbst. Vor dem Doppelgänger. Vor dem eigenen Tod im Leben. Das Grauen ist, wenn man es ganz wörtlich nimmt, die Angst, die so groß ist, dass sie eine körperliche Reaktion auslöst. Ein Erstarren, ein Augenweiten. Und natürlich das sprichwörtliche Ergrauen der Haare vor Angst. Diese Angst, die das vermag, liegt immer inwändig. Noch oft denke ich an das eine Bild aus Fedor Ozeps "Der lebende Leichnam", in dem Gustav Diessl, der sich für Tod erklärt hat, um aus einer Ehe zu entkommen, erstarrt vor Entsetzen über sich selbst, den Verlust seines Lebens in einer Nische zwischen Wand und Ofen steht, ganz starr. Das ist alles, was es braucht um eine schauriges, grausiges Bild zu erzeugen. Es zeigt das Grauen. Ein Grauen, das wir, die wir in einer freudianischen Welt aufgewachsen sind, nicht mehr kennen. Wir meinen, Macht über unsere Seele zu haben, und sind für die Untiefen unempfindlich, denn wir erwarten stets eine Lösung auf der Couch oder per Pille. Wir erwarten nicht, dass sich der Schatten vom Körper löst, um allein zu wandern, Der frühe Horrorfilm (oder besser: Gruselfilm?), den ich meine, hat dieses Grauen transportiert: Die Angst, die das Leben in der Welt in der Vergangenheit bedeutet haben mag. Den dreißigjährigen Krieg zu durchleben, die Füße im Feuer. Über die Untat, die man begeht, ohne es zu ahnen, auf dem Weg über den Bodensee. Immer wieder: Die Angst des Christenmenschen vor sich selbst. Vor dem bösen Bruder, der ein Leben in Sekunden zerreißt. All das lässt uns der frühe Horrorfilm, ein Hauch noch aus dem neunzehnten Jahrhundert, spüren. Nosferatu. Der Student von Prag. Orlacs Hände! Conrad Veits Augen beim Anblick seiner Hände - wirklich unvergesslich. Was wir heute haben, ist Schock, ist Schreck, aber das Grauen, THE HORROR, wie es Brando in Apocalypse Now noch einmal (ein letztes?) reflektiert, über das Zerfallen des Ich, das ist fort. Wir Gruseln uns nur noch über Killerpiranhas. Aber weiß werden unsere Haare darüber nicht.

Nicht wir, die wir mit dem Zeug aufgewachsen sind. Das hat man immer gedacht, weil TV für uns die totale Normalität ist. Nein: Deswegen ist es uns inzwischen ziemlich wurscht, während unsere Eltern, die es so Mitte Ende Zwanzig getroffen hat, immer noch begeistert den Freitagskrimi gucken. Sie haben es, als sie erwachsen waren, als etwas neues kennengelernt, haben sich dafür begeistert, haben erlebt, wie es durch sie die Gesellschaft veränderte. Haben auf einen Fernseher gespart, sich das erste Color-TV gekauft, für sie war Eurovision noch ein Ereignis. Sie werden dem Fernsehen immer treu sein, für uns ist es sowas ähnliches wie Radio. Wir holen uns lieber ne DVD. Für uns wird das Internet das sein, was für sie das Fernsehen ist. Das war unser ganz eignes neues Ding. Wir werden noch mit 65 emails verschicken, blogs schreiben und verbrauchertipps austauschen, während unsere Kinder finden, dass das so ähnlich wie dieses Fernsehen ist, Bildschirme und das ganze altmodische Zeug. Unsere Kinder, die dann ihre Stirn gegen einen Punkt an der Wand schlagen, um unterhalten und informiert zu werden. Das machen wir auch manchmal, etwas zögerlich, und verstehen ja auch, warum Stirnkloppen der Quantensprung im Informationszeitalter ist. Aber dann gehen wir wieder an unsere Computer.

Nachdem uns der letzte Teil der Lecter-Filme schon fast alle Illusionen genommen hatte, geht es jetzt endgültig ans Eingemachte. In "Das Schweigen der Lämmer" war Lecter noch mythische Persönlichkeit, fern jeder Erklärung, fast ein echter Dämon, unentscheidbar zwischen normalem Wahnsinn und fantastischem Grauen angesiedelt. Ein unteridrdischer Übermensch, ein Gast nur in diesem Film, und doch sein Meister.
"Hannibal" machte ihn zur Hauptperson, er wurde uns nahe gebracht - zu nahe, er vermochte den Schauder des schrecklich Erhabenen nicht mehr auszulösen, es blieb beim teilweise traurig-humorigen Grusel. Nun das nächste Attentat auf einen der ungewöhnlichsten Filmcharaktere der Filmneuzeit:
>>"Millions of readers in 25 languages have wondered how Dr. Lecter developed his particular appetite for evil,” says Bantam Dell Publishing honcho Irwyn Applebaum, making one wonder if Esperanto and Gujarati are among them. “This novel will satisfy their curiosity.<<
Das klingt nach den ersten Episoden von Star Wars - einn Prequel, das uns erzählt, warum der Junge so daneben geraten ist. Es wird aus Hannibals jungen Jahren berichten, und bei allem Optimismus glaube ich nicht, dass daraus ein guter Film werden kann. Das Buch von Harris kommt wohl erst nächstes Jahr, der Film wird nicht sehr viel länger auf sich warten lassen.
Und, da der junge Lecter im Fokus steht, werden wir natürlich Anthony Hopkins nicht in der Hauptrolle sehen - wer bitte soll hier anknüpfen?
Totzdem will ich nicht allzulaut klagen. Die Sache liegt zwar so wie schon unten beklagt in Sachen Terminator oder Alien, andererseits: Die miesen Sequels haben ja auch was gutes, denn nur dadurch, dass unsere liebsten Monstren immer wieder und wieder hervorgekramt werden, entwickeln sie ein letztlich vom einzelnen Film unabhängigen Eigenleben in der Popkultur, sie werden von Helden eines Filmes zu für sich selbst stehenden Wesen. Erst die durch Fantum und Profitgier getriebe Reanimation gibt ihnen wahres Leben. Wie Dracula, bei dem es ja auch nicht "den" Film gibt, ohne den es ihn nicht gäbe. Hannibal hängt am "Schweigen der Lämmer", ist aber unterwegs dorthin. Von daher: Nur zu, immer weiter, damit er uns erhalten bleibt. Und vielleicht steht er ja schon in den Startlöchern, der nächste, große "Hannibal-Darsteller". Dann steht Anthony Hopkins da wie Bela Lugosi - als der große, aber nicht der einzige.

via: http://www.chud.com/

Als ich damals (in einem kleinen Verzehrkino an der Ostsee) "Terminator 3" gesehen hatte, war meine Prognose ganz klar: Das Ende ist nicht nur ein fragwürdiger plot twist, nein, es ist auch ein ganz absichtlicher Bruch mit der bisherigen Erzählung. Wir erinnern uns: Im Widerspruch zum zweiten Teil, der ja gerade darin gipfelt, dass die Apokalypse NICHT stattfindet (denn mit dem Terminator wird ja die Wurzel des Übels aus der Welt geschafft und so ein gut durchdachtes Zeitreise-Paradoxon gut aufgelöst), pfeift Teil drei auf die in den vorhergehenden Filmen aufgebote Logik und lässt unter recht fadenscheinigen Begründungen den Atomschlag am Ende DOCH passieren. Atomschlag als Befreiungsschlag: Denn natürlich wollten es sich die Produzenten Kassar und Vajna nicht nehmen lassen, weiter Honig aus dem Stoff zu saugen, nur: T3 war, gerade im Vergleich zum zweiten Teil, ein müdes Sequel. Mostow und Konsorten ignorierten die Entwicklung des zweiten Teils, um genau dort, wo dieser beginnt, noch einmal ansetzen zu können. Ein Pärchen flieht, beschützt von einem Terminator, gejagt von einem anderen, technologisch überlegenen. Ein schlechtes Sequel: Der Stoff wird nicht weiterentwickelt, sondern kopiert. Nochmal geht das so nicht, das war wohl allen klar, und so schaute man sich nach einem anderen Stoff innerhalb der Terminator-Erzählwelt um (neben der nun dreimal variierten „Muttererzählung“) , den man für die nächsten Sequels verwenden könnte. Und, natürlich, da ist der Kampf der Menschen gegen die Maschinen auf den vom Atomkrieg verwüsteten Schlachtfeldern der Zukunft (2029). Super, nehmen wir den doch! Nur: Folgt man dem zweiten Teil, so tritt diese Zukunft ja nicht ein, sie ist erfolgreich verhindert worden. Nur folgerichtig, in T3 den zweiten Teil nocheinmal nachzuinszenieren, und der Geschichte diesmal das im Sinne der Weiterverwertung des Stoffes richtige Ende zu verpassen: Der Atomkrieg findet statt, der Partisanenkampf, den John Connor ficht, also auch. Ach ja, meine Prognose damals: Die Erzählung geht nun weiter, indem eben jener Kampf beschrieben wird, ein Action-SciFi-Kriegsgeschichte. Nur, dass ich angenommen hatte, man würde daraus eine Fernsehserie machen, der Stoff böte sich dazu an. Nein, nun wird laut „coming soon“ in 2005 der vierte Teil produziert, und er wird laut „yahoo! Movies“ (Was ist das für eine Quelle? Da hab ich es halt gefunden.) genau diesen Plot haben: „The 80-page treatment that currently exists for this movie takes place farther in the future as humanity is waging their war against the robots.“ 80 Pages? Wohl wenig Dialoge...
Die charmante Idee Camerons, einen mythischen, endzeitlichen Krieg zeichenhaft in die Gegenwart des Seher zu verlegen und so seine Kommentare über eben diese Gegenwart abzugeben ist damit natürlich erledigt. Das mythische Moment des Endkampfes, der nun zum ganz handfesten Partisanenkampf wird, ist verflogen. Aus der zyklisch-mythischen Welt der Originale ist eine einfach gestrickte lineare geworden. Wohl wahr, ich nörgele an einem Film rum, den es noch nicht gibt, dessen Regisseur noch nicht feststeht, das ist alles gar nicht haltbar, doch es wird so kommen – mit dem neuen Ende ist ja auch das stolze „No Fate“ des zweiten Teils obsolet, das Schicksal vollzieht sich unbeeindruckt, der vierte Teil wird produziert, Mostow macht wieder Regie, und auch er wird wieder ein Übergangsfilm, hin zum fünften, der als der ganz große Showdown angekündigt wird, und Mostow wird es nicht schaffen (sonst hätte er es schon vorher gemacht) diesen Film auch nur ansatzweise auf das Niveau zu hebeln, das Cameron erreichte. Das ist das Schicksal, das schon der „Weiße Hai“ durchlitt, und das so langsam auch „Alien“ bevorsteht.

Alles Gerüchte, kaum geeignet, in einem Aufsatz über den "Terminator" aufzutauchen, erscheinend in einem 1a Buch über das Werk von James Cameron, geadelt durch die Beiträge zahlreicher von mir hochgeschätzter Autoren, das demnächst erscheinen wird und auf das ich dann hier natürlich angemessen hinweisen werde. Bloß: Dazu muss dieser Artikel erstmal fertig werden, ich bin etwas...äh...spät dran. T2 ist gerade on heavy rotation, ich geh dann mal wieder ans Werk.

http://movies.yahoo.com/shop?d=hp&cf=prev&id=1808406215&intl=us

"Das große Glotzen - die 50 besten Fernsehsendungen."

 

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