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bähr - am Mittwoch, 5. Dezember 2007, 09:36
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Wahrscheinlich denkt ohnehin jeder, dass dieser Blog tot ist, aber das hier soll jedenfalls ein erneutes Lebenszeichen sein. Gerade bin ich dabei die dritte Staffel "The Wire" zu gucken und vor kurzem habe ich in der Süddeutschen den Serien- vor allem aber "Alias"-Artikel von Milan Pavlovic gelesen, der ja schon im Steadycam erschienen ist. Angesichts der anzunehmenden Selbstausbeutung der Steadycamautoren ist daran ja auch nichts auszusetzen. Wohl aber an der Glorifizierung der Serien "Lost" und "Alias", die ich wohlgemerkt beide ziemlich gut finde. Auch habe ich nichts dagegen auszusetzen, diese Serien gegen aktuelle Spielfilme auszuspielen, die sich diese Gegnerschaft selbst zuzuschreiben haben. Allerdings passt mir nicht dieser Jubel ohne nahezu jeden Beweis. Das fällt mir umso stärker auf, als ich eben nicht besagte Serien als Hauptbeweis der TV-Potenz wählen würde, sondern allenfalls als Beleg einer neuen Frechheit. Vor allem einer formalen Frechheit. Das ist natürlich schon viel, aber es bleibt festzuhalten, dass insbesondere "Alias" doch recht konventionell - wenn auch aufregend - pro Folge einen Fall abhandelt. dass dabei eine fortlaufende Geschichte weitererzählt wird, ist tatsächlich bemerkenswert - mehr aber auch nicht. Eine Geschichte als Roman zu erzählen, die Episode kaum mehr als Einheit, vielmehr als notwendiges, gegebenes Korsett zu begreifen, das machen andere Serien. Das begann mit Twin Peaks, das gerne aus den Augen verloren wird, aber bis heute einmalig ist, und das leisten Deadwood und vor allem The Wire. Bei The Wire ist es mittlerweile nicht mal mehr möglich zum Staffelstart einzusteigen. Es handelt sich einfach um einen großen Film, der allerhöchstens thematisch innerhalb der Folgen ein wenig verdichtet ist. Ansonsten beobachtet man eine große sich entfaltende Handlung in all ihrer Komplexität. Manchmal denke ich, The Wire wäre der Film den John Sayles drehen würde, hätte er alle Zeit der Welt. Komplex, ohne Zusammenhänge zu forcieren. Der Idealfall: Character und Action. Also nochmal: Nichts gegen Alias und Lost, aber alles für The Wire und Deadwood - und Entourage. Diese Serie und ihre diversen Unverschämtheiten gilt es zu entdecken. Kaum vorstellbar, dass ein deutscher Sender die Traute hat, das zu zeigen. Ähnlich speziell amerikanisch wie "The West Wing" wird hier der Traum vom Starruhm in Hollywood durchgespielt und - wer hätte das gedacht - es gibt schnellen Sex, Drogen, Eitelkeiten, Berühmtheit als Börsenkurs und die Partys in der Playboy Mansion. Wie man sich über all das äußerst unterhaltsam, kindisch und doch ironisch und hellsichtig auslassen kann, zeigt "Entourage".
Svenson - am Montag, 18. Juni 2007, 22:22 - Rubrik: Seasons in the Sun
Nur mal am Rande:
Was soll man zu einem Film von 1983 sagen, der von einem Typen (super Christopher Walken) handelt, der in die Zukunft schauen kann, und in dem:
ebendieser Christopher Walken zu Protokoll gibt, er fühle sich wie von dem kopflosen Reiter aus "Sleepy Hollow" besessen und
Martin Sheen eine durchgeknallte Ausgabe von seiner späteren Rolle als US-Präsident abliefert?
Weiß auch nicht.
Was soll man zu einem Film von 1983 sagen, der von einem Typen (super Christopher Walken) handelt, der in die Zukunft schauen kann, und in dem:
ebendieser Christopher Walken zu Protokoll gibt, er fühle sich wie von dem kopflosen Reiter aus "Sleepy Hollow" besessen und
Martin Sheen eine durchgeknallte Ausgabe von seiner späteren Rolle als US-Präsident abliefert?
Weiß auch nicht.
bähr - am Dienstag, 19. September 2006, 01:03 - Rubrik: mythen des alltags
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Da tönen die Posaunen, als sollten die Mauern New Yorks einstürzen - und ein wenig tun sie das auch, denn da wird der Ursprung allen Reichtums der Upper Class doch sehr sehr deutlich in Frage gestellt. Die einen geben ihre Muskeln, die anderen das Land und die dritten das Geld: 40 Morgen und ein Mautier für die Schwarzen, ein paar Glasperlen an die Indianer für Manhattan, und der Tod für die Juden. Darauf baut die weiße Welt auf.
EIn selten gewitzter, formal bestechender Genrefilm, und gleichzeitig - natürlich - ein politischer Film, der das auch nicht versteckt. Im Gegenteil, er ist für den großen Saal gemeint und jeder in diesem Saal soll es merken.
Allerdings: So langsam kommt das Probem auf, dass die Nazizeit zu lange her ist, als das da jemand noch glaubwürdig in ganz schlimme Sachen verstrickt sein kann. Im Marathon-Mann ging das noch, aber Christoph Plummer kommt auch nicht viel älter wirken, und müsste doch schon ein veritabler Greis sein, wenn er sich seine Millionen nicht als Teenie im Weltkrieg ergaunert haben will. Ein Krückstock reicht da nicht. (Kleiner Exkurs: Je weniger man reell Nazitäter in Drehbücher einbauen kann, desto weiter schreitet die mythisch-fantastische Verunsterblichung der Brut. Denn verzichten wolln wa auf die Brüder ja nicht.)
Zurück zum Thema: Frazier erkennt New York als die Vielvölkerstadt, die sie ist, und macht sich das zunutze. Er lebt in der multiethnischen Realität, die bei dem Mayflowermäßigen Bankenbonz noch nicht angekommen ist. Und nie wird - denn er will das Verbrechen seiner Vergangenheit begraben, und damit auch die Wahrheit über die wirkliche Natur dieser Stadt. Nur über eine Akzeptanz der Schuld können die Wasps in der Gesellschaft, die um sie herum entsteht und ihnen ihre Heimat, die sie geraubt haben, entfremdet, wieder ankommen. Und was diese überdeutliche Metapher mit den Overalls soll, ja darüber muss ich wohl nochmal schlafen.
EIn selten gewitzter, formal bestechender Genrefilm, und gleichzeitig - natürlich - ein politischer Film, der das auch nicht versteckt. Im Gegenteil, er ist für den großen Saal gemeint und jeder in diesem Saal soll es merken.
Allerdings: So langsam kommt das Probem auf, dass die Nazizeit zu lange her ist, als das da jemand noch glaubwürdig in ganz schlimme Sachen verstrickt sein kann. Im Marathon-Mann ging das noch, aber Christoph Plummer kommt auch nicht viel älter wirken, und müsste doch schon ein veritabler Greis sein, wenn er sich seine Millionen nicht als Teenie im Weltkrieg ergaunert haben will. Ein Krückstock reicht da nicht. (Kleiner Exkurs: Je weniger man reell Nazitäter in Drehbücher einbauen kann, desto weiter schreitet die mythisch-fantastische Verunsterblichung der Brut. Denn verzichten wolln wa auf die Brüder ja nicht.)
Zurück zum Thema: Frazier erkennt New York als die Vielvölkerstadt, die sie ist, und macht sich das zunutze. Er lebt in der multiethnischen Realität, die bei dem Mayflowermäßigen Bankenbonz noch nicht angekommen ist. Und nie wird - denn er will das Verbrechen seiner Vergangenheit begraben, und damit auch die Wahrheit über die wirkliche Natur dieser Stadt. Nur über eine Akzeptanz der Schuld können die Wasps in der Gesellschaft, die um sie herum entsteht und ihnen ihre Heimat, die sie geraubt haben, entfremdet, wieder ankommen. Und was diese überdeutliche Metapher mit den Overalls soll, ja darüber muss ich wohl nochmal schlafen.
bähr - am Samstag, 25. März 2006, 00:42 - Rubrik: blockbusters!
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Brokeback Mountain. Ganz groß, und vor allem: Unerwartet. Die Annäherung schnell erzählt, dann: Der Ritt durch die Wüste. Einer bleibt auf der Strecke, der andere auch, denn aneinandergekettet sind sie, wie in "Greed". Traurig. Ein Film, der einen auch Hassen macht: Die Heuchler, die schon Dennis Hopper vom Motorrad schossen. Die alles hässlich machen. Schon Hopper und Fonda waren die wahren Cowboys, Outlaws, die Ennis und Jack ja so ganz eigentlich auch sind. Die die frontier wieder etwas weiter raus schieben, an einen Ort, wohin der Tross ihnen so bald nicht folgen wird.
Das nicht gelebte Leben als das wahre Leben. In "History of violence" gibt es diese Opposition nicht: Das einst gelebte Leben ist ebenso wahr wie das gegenwärtige. Es lässt sich eine Zeit verdrängen, doch dann kommt alles raus. Ein Volksfeind als Familienvater. Kein Widerspruch für Cronenberg. Nein: Das geht. Denn - natürlich - es steckt in jedem, auch in der Gattin, der Rechtsanwältin. Der Schluss bleibt offen, doch lässt er hoffen. Der Massenmörder darf zurück an den Familientisch - der Sohn griff zu Waffe, die Gattin spürte ihre dunkle Seite auf der harten Treppe, nein, keiner wirft einen Stein.
Aber: Mit Gewalt kann diese Gesellschaft um, mit Analsex unter Männern aber wird es haarig.
Das heißt doch auch: Gewalt ist überall, und wo sie explizit wird, kann man sie doch integrieren, gut finden (wie beim Filmschauen), obwohl sie gegen jede Norm "guter" Gewalt verstößt. Das ist provokativ von Cronenberg, aber er hat wohl recht, wenn er es laut sagt.
Das sexuell Abweichende hat es da schwerer. Denn während die schlafende Gewalt im Manne lustvoll-angstvoll bejaht wird, so wird die latente Homosexualität vehement verneint - bis hin zu Ausrottung dessen, der sie zeigt und so ein potentieller Verführer ist.
Das nicht gelebte Leben als das wahre Leben. In "History of violence" gibt es diese Opposition nicht: Das einst gelebte Leben ist ebenso wahr wie das gegenwärtige. Es lässt sich eine Zeit verdrängen, doch dann kommt alles raus. Ein Volksfeind als Familienvater. Kein Widerspruch für Cronenberg. Nein: Das geht. Denn - natürlich - es steckt in jedem, auch in der Gattin, der Rechtsanwältin. Der Schluss bleibt offen, doch lässt er hoffen. Der Massenmörder darf zurück an den Familientisch - der Sohn griff zu Waffe, die Gattin spürte ihre dunkle Seite auf der harten Treppe, nein, keiner wirft einen Stein.
Aber: Mit Gewalt kann diese Gesellschaft um, mit Analsex unter Männern aber wird es haarig.
Das heißt doch auch: Gewalt ist überall, und wo sie explizit wird, kann man sie doch integrieren, gut finden (wie beim Filmschauen), obwohl sie gegen jede Norm "guter" Gewalt verstößt. Das ist provokativ von Cronenberg, aber er hat wohl recht, wenn er es laut sagt.
Das sexuell Abweichende hat es da schwerer. Denn während die schlafende Gewalt im Manne lustvoll-angstvoll bejaht wird, so wird die latente Homosexualität vehement verneint - bis hin zu Ausrottung dessen, der sie zeigt und so ein potentieller Verführer ist.
bähr - am Montag, 20. März 2006, 23:53 - Rubrik: Grosse Kulturleistungen
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